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Bin ich traumatisiert?

Wie sich Trauma im Alltag zeigen kann

Viele Menschen verbinden das Wort „Trauma“ mit schweren Unglücken, Gewalt oder Katastrophen. Doch nicht jedes Trauma ist die Folge eines einzelnen dramatischen Ereignisses.

Besonders Bindungs- und Entwicklungstraumata entstehen schleichend über viele Jahre hinweg und mitunter sehr subtil. Deshalb bleiben sie oft lange unerkannt. Viele Betroffene, die mit emotionaler Vernachlässigung, mangelnder Zuwendung, ständiger Kritik oder instabilen Beziehungen aufgewachsen sind, würden ihre Kindheit als „eigentlich normal“ beschreiben.

Die Frage „Bin ich traumatisiert?“ stellen sich viele Menschen erst dann, wenn sie merken, dass sie im Leben immer wieder mit Problemen konfrontiert sind, an Grenzen stoßen oder unter bestimmten Situationen leiden.

Was ist eigentlich ein Trauma?

Ein Trauma kann entstehen, wenn wir eine Situation als massiv bedrohlich erleben und uns keine geeigneten Bewältigungsstrategien zur Verfügung stehen, weil das Ereignis zu überwältigend und überfordernd ist.

In solchen Momenten schaltet unser Organismus automatisch in einen Alarmzustand und reagiert mit Kampf, Flucht oder Erstarrung. Wenn Kampf oder Flucht aussichtslos oder nicht möglich erscheinen oder die Gefahrensituation zu lange andauert, verfällt der Körper in eine Einfrierreaktion – vergleichbar mit dem Totstellreflex bei Tieren. Dieser Zustand der Erstarrung ist charakteristisch für Traumata.

Kann sich die mobilisierte Überlebensenergie anschließend nicht vollständig entladen, bleibt sie im Körper und im Nervensystem gebunden. Der Organismus verbleibt dadurch weiterhin in einem inneren Ausnahmezustand.

Da diese Reaktionen vom Stammhirn und vom autonomen Nervensystem gesteuert werden, können wir sie nicht willentlich kontrollieren. Bestimmte Situationen, Worte, Bilder, Geräusche oder Gerüche können Erinnerungen an traumatische Erlebnisse wachrufen und körperliche Symptome, starke Gefühle oder kindliche Überlebensmuster in uns triggern.

Woran erkenne ich, ob ich traumatisiert bin?

Die Folgen von Bindungs- und Entwicklungstraumata können sich auf vielfältige Weise zeigen und sind oft nicht offensichtlich. Viele Menschen leben jahrelang mit traumabedingten Mustern, ohne zu wissen, womit ihre Symptome zusammenhängen.

Hinweise auf ein Trauma können zum Beispiel sein:

  • Du fühlst dich körperlich ständig angespannt oder in Alarmbereitschaft.
  • Du zweifelst stark an dir selbst.
  • Es ist dir wichtig, die Kontrolle zu haben.
  • Du hast das Gefühl, „nicht gut genug“ oder „nicht richtig“ zu sein.
  • Du passt dich häufig an andere an.
  • Es fällt dir schwer, Grenzen zu ziehen.
  • Du hast keinen guten Zugang zu deinen Gefühlen und Bedürfnissen.
  • In Beziehungen erlebst du immer wieder dieselben schmerzhaften Muster.
  • Manche Situationen triggern dich und aktivieren dein Nervensystem.
  • Du fühlst dich oft ohnmächtig oder hilflos.
  • Dich plagen Scham- und Schuldgefühle.
  • Du leidest unter psychosomatischen Beschwerden.
Traumatherapie NARM Muenchen

Wie ein Trauma entsteht

Als Kinder sind wir körperlich und emotional vollkommen von unseren Eltern und nahen Bezugspersonen abhängig. Damit sich Kinder gesund entwickeln können, sind sie darauf angewiesen, dass ihre grundlegenden Bedürfnisse erfüllt werden. Dazu zählen zum Beispiel das Bedürfnis nach Kontakt, Nähe, Geborgenheit, Autonomie und Liebe.

Wenn Eltern – aus welchen Gründen auch immer – diese Bedürfnisse nicht erfüllen können und Kinder über längere Zeit zum Beispiel das Gefühl haben,

  • nicht willkommen zu sein
  • keine festen Platz in der Familie zu haben
  • nicht wirklich gesehen zu werden
  • sich anpassen zu müssen
  • emotional allein zu sein
  • keine sicheren Grenzen zu erleben oder
  • nur unter bestimmten Bedingungen geliebt zu werden,

können sich diese Erfahrungen traumatisierend auswirken.

In der Folge entwickeln wir als Kinder Strategien, um die Bindung zu unseren Eltern aufrechtzuerhalten – koste es, was es wolle. Denn zum Überleben sind wir auf unsere Eltern angewiesen. Wir unterdrücken unsere eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Impulse und passen uns an die Gegebenheiten an. Diese Überlebensstrategien wirken oft bis ins Erwachsenenalter weiter und äußern sich zum Beispiel darin, es immer allen recht machen zu wollen, echte Nähe zu vermeiden oder viel zu leisten, um geliebt zu werden.

Kann ein Trauma wieder heilen?

Diese überaus kreativen Strategien, die wir als Kinder entwickelt haben, hatten also die Funktion, uns zu schützen. Heute schränken sie uns allerdings eher ein und verursachen viel Leid. Aber auch wenn traumatische Erfahrungen tiefe Spuren in uns hinterlassen – es ist möglich, ein Trauma zu überwinden.

Der erste Schritt ist häufig, die eigenen Erfahrungen ernst zu nehmen und sich selbst mit mehr Verständnis und Mitgefühl zu begegnen. Denn oft glauben Betroffene, mit ihnen „stimme etwas nicht“, sie müssten sich einfach nur „mehr zusammenreißen“ oder sie würden sich „alles nur einbilden“. Dabei steckt hinter chronischer Anspannung, innerer Leere, Selbstzweifeln oder wiederkehrenden Beziehungsmustern ein Nervensystem, das lange im Überlebensmodus war.

Ein weiterer wichtiger Schritt kann es sein, alte Muster besser zu verstehen und die innere Dynamik näher zu erforschen. Dabei ist es nicht nötig, dass du deine gesamte Vergangenheit aufarbeitest und erneut durchlebst. Im Zentrum steht vielmehr die Frage: Was blockiert dich heute? Was steht dir aktuell im Weg?

Das Ziel ist, verdrängte Anteile, von denen wir uns aus Liebe zu unseren Eltern abgeschnitten haben, liebevoll zu integrieren und wieder in lebendigen Kontakt mit uns selbst zu kommen.

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Vielleicht findest du dich in diesem Artikel wieder. Wenn du dir Unterstützung wünschst, bist du herzlich eingeladen, ein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch (15 Minuten) zu vereinbaren. Gemeinsam schauen wir, was dich aktuell belastet und wie ich dich therapeutisch begleiten kann.

Angelika Holdau Traumatherapeutin NARM Muenchen

Angelika Holdau

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